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Ein Besuch bei den Wildurpferden in Brandenburg
Döberitzer Heide, 13.01.2009

Przewalski-Pferde in Brandenburg
Przewalski-Pferde in der Döberitzer Heide, © Sielmann Stiftung
Wenn Ihnen auf einem langen Winterspaziergang plötzlich eine Herde prähistorischer Urwildpferde mit graugelber Fellfarbe, weißem Mehlmaul und kurzer Stehmähne begegnet, dann sind Sie nicht auf einer Zeitreise, sondern vermutlich in der Döberitzer Heide im Havelland unterwegs. Hier entsteht im Auftrag der Sielmann-Stiftung seit 5 Jahren ein wildnisähnliches Naturschutz-Gebiet für Wisente (letzte europäische Wildrinder) und Przewalski-Pferde (Urwildpferde). 

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In der Döberitzer Heide sollen die heute nur noch in Zoos lebenden Tiere nach und nach wieder verwildern und damit ihre Art erhalten werden.
2004 erwarb die Sielmann-Stiftung rund 3.500 Hektar der Döberitzer Heide. Dieses naturbelassene Gebiet wurde zuvor fast 300 Jahre lang als Militär-Truppenübungsplatz genutzt. Dadurch blieb ein Mosaik aus wertvollen Offenlandschaften wie Heiden, Sandflächen und Trockenrasen sowie Wäldern und feuchten Senken als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten erhalten. Die Ansiedlung der Tiere dient sowohl der Arterhaltung als auch der Landschaftspflege der Döberitzer Heide. Die Pferde fungieren als "natürliche Rasenmäher". Durch die Beweidung sollen die wertvollen Offenlandschaften gesichert werden.

Ein 31 Hektar großes Schaugehege* im Wustermarker Ortsteil Elstal war der erste Baustein für das künftige Wildnisgroßprojekt. Hier können heute bereits Wisente, Przewalski-Wildpferde sowie ein Rotwild-Rudel aus der Nähe beobachtet werden, die für die spätere Ansiedlung in der Wildniskernzone vorbereitet werden. Die 2.000 Hektar große Wildkernzone soll allein der Natur und den dort bald lebenden 500 bis 600 Wildtieren vorbehalten sein, die sich in Zukunft weitgehend unbeeinflusst vom Menschen entwickeln sollen. Dafür soll ein 23 Kilometer langer und 2,5 Meter hoher doppelter Elektrozaun sorgen, der bis zum Jahr 2010 um die Wildniskernzone errichtet werden soll. Die Besucher und Wanderer erhalten von einem ca. 22 km langen, am Rand der Kernzone verlaufenden Rundweg mit ausgewählten Aussichtspunkten z.B. Tränken Einblicke in die Heide und werden an Rast- und Informationspunkten über die Besonderheiten des Projektes informiert. Für Reiter sollen parallel zu den Wanderwegen Reitwege angelegt werden, zunächst nur in Dallgow-Döberitz. In der Planung ist auch eine Anschaffung von Elektromobilen vorgesehen.

Umzug vom Schaugehege in den Bereich des künftigen Wildnisgroßprojektes
Umzug vom Schaugehege in den Bereich des künftigen Wildnisgroßprojektes, © Sielmann Stiftung

Im Januar 2008 sind die ersten fünf Pferde aus dem Schaugehege in den Bereich des künftigen Wildnisgroßprojektes "umgezogen".  Die sogenannte Eingewöhnungszone dient in erster Linie der wissenschaftlichen Beobachtung der Tiere im vorgesehenen Lebensraum.
"Aus Sicht des Naturschutzes erwartet die Pferde hier ein Paradies", freuen sich Peter Nitschke und Lothar Lankow, Geschäftsführer der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide gGmbH. 
 
 
 

Przewalski_Nachwuchs_hengstfohlen_heino
 
Przewalski-Nachwuchs Hengstfohlen Heino kam im Frühjahr 2007 im Schaugehege zur Welt,  im Juli 2007 wurde bereits das fünfte Przewalski-Pferdefohlen im Schaugehege geboren.
© Sielmann Stiftung
Przewalski Nachwuchs Hengstfohlen Heino
 














 

 
  
     
Przewalski-Pferde
Przewalski-Pferde in der Döberitzer Heide, © Sielmann Stiftung
P
rzewalski-Pferde sind die letzten echten Wildpferde und stammen ursprünglich aus der Mongolei. Sie sind nach ihrem Entdecker, dem russischen Oberst und Expeditionsreisenden Nikolai Przewalski benannt worden. Das Przewalski-Pferd war zu diesem Zeitpunkt bereits schon sehr selten. Das letzte freilebende Przewalski-Pferd wurde 1969 gesichtet. Es ist jedoch bis heute erhalten geblieben, da einige Zoos die Art in Gefangenschaft weiterzüchteten.
 
 
Die winterlichen Minustemperaturen machen den Przewalski-Pferde übrigens überhaupt nichts aus. So ein erster zarter "deutscher" Wintertag ist nichts gegen die Minus 40° Celsius, denen die Pferde in ihrer Heimat in den innerasiatischen Berg- und Wüstensteppen standhalten können. Ein im Sommer angefressenes Fettgewebe und das lange wollige Winterfell schützen sie vor den eisigen Winden. Außerdem drosseln sie im Winter ihren Stoffwechsel und reduzieren ihre Unterhauttemperatur nahe der Öberfläche auf 24°Celsius, um den Verlust der inneren Körperwärme einzuschränken.


Weitere Informationen finden Sie auf www.sielmann-stiftung.de, und www.doeberitzer-heide.de oder erhalten bei der

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide gemeinnützige GmbH
Zur Döberitzer Heide 10 · 14641 Wustermark / OT Elstal
Telefon: 03 32 34/2 48 90 · Telefax: 03 32 34/2 48 91
E-Mail: info@snl-doeberitzer-heide.de
 
*Das Schaugehege ist mit dem Auto über den Berliner Ring (A10) Abfahrt "Berlin Spandau" zu erreichen. Weiter geht es über die B 5 bis zur Abfahrt "Elstal/Olympisches Dorf" und direkt zum Gehege. 
 
Öffnungszeiten Schaugehege
April-Oktober 10.00 - 18.00 Uhr
November-März 10.00 - 16.00 Uhr
 
Tierfütterung an den Brücken
Montag bis Freitag 10:30 Uhr und 14:30 Uhr
Samstag und Sonntag 11:00 Uhr
 
Quelle: Heinz Sielmann Stiftung und doeberitzer-heide.de

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